Je suis Charly: Über das Lachen

Die Hinrichtung der Satiriker bei Charly Hebdo hat mich erinnert an die Auseinandersetzung von Umberto Eco in „Der Name der Rose“ über das Wesen der Religionen.

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Der grundlegende Wesenszug der Religionen ist nicht die Liebe, sondern die Angst.
Denn Lachen tötet die Furcht, und ohne Furcht gibt es keinen Glauben mehr.
Deswegen gilt das Lachen über die Götter und Propheten in den Religionen als die größte Blasphemie.

Denn:
… Nicht die viel propagierte Liebe ist das Zentrum des Christentums und eigentlich aller Religionen, es ist die Angst.
Die Angst vor der Strafe Gottes, vor der Sünde, vor den irdischen Strafen durch Gottes Bodenpersonal.
Durch Angst herrschen Päpste, Priester, Tyrannen und Diktatoren aller Art, durch Angst herrschen die Dschihadisten und die Selbstmordattentäter. Das Lachen widersetzt sich dem Fanatismus.
Und darum hassen sie auch alle das Lachen, die subversive Kraft des Humors.
Das Lachen nimmt den Menschen die Angst, das wichtigste Herrschaftsinstrument aller anmaßenden Menschenrechtsfeinde.

—– aus „Der Name der Rose“—-
William fragt Jorge:  „Aber was schreckt dich so sehr an dieser Abhandlung über das Lachen? Du schaffst das Lachen doch nicht aus der Welt, indem du dieses Buch [Aristoteles zweites Buch der Poesie über die Kommödie] aus der Welt schaffst.“
Jorge: „Nein, gewiss nicht. Das Lachen ist die Schwäche, die Hinfälligkeit  und Verderbtheit unseres Fleisches. Es ist die Kurzweil des Bauern, die Ausschweifung des Betrunkenen…Aber so bleibt das Lachen etwas Niedriges und Gemeines, ein Schutz für das einfache Volk. … Das Lachen befreit den Bauern von seiner Angst vor dem Teufel, denn auf dem Fest der Narren erscheint auch der Teufel als närrisch und dumm…Doch dieses Buch könnte lehren, dass die Befreiung von der Angst vor dem Teufel eine Wissenschaft ist… Dieses Buch könnte die Wissenden lehren, mit welchen Kunstgriffen, mit welchen schlagfertigen und von diesem Moment an auch geistreichen Argumenten sich der Umsturz rechtfertigen ließe. Aus diesem Buch könnten verderbte Köpfe wie deiner den äußersten Schluss ziehen, dass im Lachen die höchste Vollendung des Menschen liege.

Das Lachen vertreibt dem Bauern für ein paar Momente die Angst.
Doch das Gesetz verschafft sich Geltung mit Hilfe der Angst, deren wahrer Name Gottesfurcht ist. Und aus diesem Buch könnte leicht der luziferische Funke aufspringen, den die ganze Welt in einen neuen Brand stecken würde, und dann würde das Lachen zu einer neuen Kunst, zur Kunst der Vernichtung von Angst.“

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