Gegen die Mutlosigkeit

Ein Denkschrift nach der Wahl in MeckPomm:
Die wahren Probleme.

Die paar Flüchtlinge sind nicht das wirkliche Problem dieses Gemeinwesens.
Faktisch geht es uns wirtschaftlich sehr gut, wir sind abgesichert, die soziale Schere kann man schließen – wenn man es will. Beispiel MeckPomm: gute wirtschaftliche Daten, kaum Flüchtlinge im Land.
Warum können also Ängste geschürt werden, die sich in typisch deutscher Manier Sündenböcke suchen, in diesem Fall die schwächsten: die Fremden, die Flüchtlinge, die Gäste.
Es ist in immer mehr zu spüren, dass wir in einer komplexer werdenden Welt keine verständlichen Antworten und Handlungsstränge mehr finden. Selbst die geschmähten Eliten schaffen es nicht mehr, eigentlich offensichtliche und naheliegende Lösungen umzusetzen. Wir schaffen keine Großprojekte mehr (Flughafen), notwendige Dinge wie die IT der Schulen hechelt nur noch wie der Hase dem Igel/Technologie hinterher. (Nach ca. 20 Jahren Engagement im IT-Bereich von Schulen weiß ich, wovon ich spreche.) Selbstverständliche Dinge wie die Erhaltung der wertvollen Substanz (z.B. Schulsanierung, Brücken, Straßen) scheitert nicht am Willen, auch nicht am Geld, sondern am Können! (kein Personal im Baubereich, Megatonnen von Vorschriften, …).
Das ist für dieses Land eigentlich ein undenkbarer Zustand.

Dazu kommen gegenseitige Blockaden aus Machtstreben oder Eitelkeiten, Verschanzen hinter einem grandiosen Wust aus Verordnungen und Regularien. Jeder schaut zuerst nach seinen eigenen Nutzen statt zuerst nach dem Gemeinwohl. Die EU scheint dafür der Prototyp zu sein, noch komplexer, noch regulierter, deswegen auch die wachsende Abneigung.
Es fehlen Visionen und Utopien, wie unsere Gesellschaft(en) in den nächsten Jahrzehnten funktionieren könnte. Dadurch werden immer breitere Kreise mutlos. Nicht nur die angeblich Abgehängten, sondern auch die Willigen, die Leistungsträger. Es macht sich die Haltung nicht nur an der Spitze der Alterspyramide breit – nach mir die Sintflut.

Das wahre Problem ist unsere Mutlosigkeit.
Wie kann man ihr entgegnen:

kein Perfektionismus: nicht immer nach Lösungen suchen, die für die Ewigkeit gedacht sind.
Kreative Lösungen finden, auch mal Provisorien, an denen möglichst viele Betroffene beteiligt werden.
Vertrauen schaffen und Vertrauen haben: Wenn ich selbst nicht zuerst nach meinem Nutzen schaue, warum sollten es die anderen tun?
Kleine Ungerechtigkeiten nicht zum Weltuntergang machen. Wenn man bereit ist, flexibel zu sein, kann man die auch wieder beseitigen.
Mut haben: Fehler gehören zu einer dynamischen Entwicklung dazu. Mancher vermeintliche Fehler erweist sich als Chance.
Verantwortung übernehmen, und anderen nicht selbstgerecht den Kopf abreißen, wenn sie in ernst gemeinter Verantwortung Fehler machen.
Kooperativ denken und handeln: kein Mensch, keine Partei, keine Technik, keine Ideologie kann allein ein Gemeinwesen steuern.

Wer soll dies tun, wenn nicht wir?
Nicht auf die anderen zeigen, auf die anderen warten!
Tu es !

Andreas Böttcher

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